Zugegeben, die Zielgruppe des heutigen Beitrags ist ziemlich speziell. Es geht um Syntax-Bäume. In Sprachwissenschaften werden diese Bäume dazu verwendet, Struktur und teilweise auch die Bedeutung von Sätzen oder Satzteilen darzustellen. Ich persönlich finde diese Bäume im Prinzip auch geeignet, um Sprachschülern Unterschiede in der Struktur zwischen beispielsweise der Muttersprache und der zu erlernenden Sprache aufzuzeigen. Wenn man die Struktur einer Sprache versteht, dann lernt man diese auch leichter.
Wenn man diese mit Computer erstellen möchte, dann ist dies nicht immer ganz einfach, und die zur Verfügung stehenden Programme sind leider nicht sehr zahlreich. Deswegen möchte ich hier einige Möglichkeiten kurz vorstellen:
OpenOffice
Unter OpenOffice ist es im Prinzip möglich, solche Bäumchen zu erstellen, aber es ist mit sehr hohem Arbeitsaufwand verbunden. Unter Writer kann man zum Beispiel wie folgt vorgehen: sämtliche Beschriftungen erzeugt man mit “Einfügen -> Rahmen”, denn so kann man alles sehr frei im Dokument platzieren. Die Linien bekommt man über “Ansicht -> Symbolleisten -> Zeichnen”, in dieser Werkzeugleiste ist Alles weiter benötigte enthalten. Wenn man zwei oder mehrere Objekte hat und diese “zusammenkleben” möchte, klickt man auf das erste, hält die Umschalttaste gedrückt und klickt auf das nächste Objekt. Nun wählt man “Format -> Gruppieren -> Gruppieren”, von jetzt an verhalten sich die gruppierten Objekte praktisch wie ein Objekt. Dies erleichtert das Verschieben komplexerer Strukturen. Allerdings ist es immernoch sehr mühsam, seine Bäumchen auf diese Weise zu erstellen. Der Vorteil ist die problemlose Integration in das Dokument. Ich habe mir nicht viel Mühe gegeben, aber trotzdem kann man sagen, dass es sich nicht um die hübscheste Lösung handelt:

Syntaxbaum, der mit OpenOffice Writer erstellt wurde
Java-Applet
Es gibt hier ein Java-Applet, mit dem man auch solche Bäume erstellen kann. Das Resultat ist auch als Bitmap exportierbar, was die Resultate mit akzeptablem Aufwand weiterverwertbar machen dürfte. Sämtliche verwendbaren Worte müssen einer vordefinierten (editierbaren und selbst erstellbaren) Grammatik entnommen werden. Um mal eben kurz was zu Zeichnen, ist diese Lösung nur eingeschränkt geeignet, da man nicht immer den ganzen Wortschatz bereits definiert haben dürfte. Der Vorteil ist, dass (zumindest auf Englisch) auch ein Übungsprogramm dabei ist und man auch das Erstellen solcher Bäume üben kann. Ich selbst konnte mich auf den ersten Blick nicht mit diesem Programm anfreunden, was aber auch an meinem persönlichen Geschmack liegen könnte.
LaTeX
Wer die Layout-Software LaTeX bereits kennen gelernt hat, weiß welch ein komplexes, aber mächtiges Werkzeug diese Software ist. Der entscheidende Nachteil vorweg: Wer noch kein LaTeX kann, muss sich entweder nach einer anderen Lösung umschauen oder erst LaTeX lernen. Letzteres ist machbar und auch für viele Dinge hinterher nützlich, aber für die, die sich diese Arbeit eigentlich nicht machen wollten ein unverhältnismäßig hoher Aufwand für ein paar kleine Bäumchen. Für diejenigen die sich mit LaTeX auskennen , kann ich das Paket qtree empfehlen. Das Paket ist pingelig wegen Leerzeichen in der Syntax, aber ansonsten recht einfach zu handhaben. Man kann meines Wissens auch Pfeile und Zeugs einfügen und die wildesten Dinge damit machen.
Wenn ich keinen Fehler gemacht habe, dann lässt sich der gleiche Baum wie im OpenOffice Beispiel so erzeugen:
\Tree [.VP [.DP [.D die ] [.NP [.N Schule ] ] ] [.V verlassen ] ]

Syntaxbaum mit LaTeX und dem Paket qtree
PHP syntax tree
Eine Lösung, die mich aufgrund ihrer Einfachheit in der Bedienung sehr angenehm überrascht hat war PHP syntax tree. Ich habe mich jetzt nicht in das Programm eingearbeitet, aber zumindest für einfache Bäume ist dies eine super Sache. Man gibt einfach die Baumstruktur auf einer Internetseite ein und drückt auf einen Knopf. Das Resultat ist ein hübscher Baum, den man sich als .png-Graphik herunterladen kann. Einfacher geht es nun wirklich nicht. Keine Installation, garnichts. Nettes Sahnehäubchen: es wird angezeigt, wieviele Klammern geöffnet und wieviele geschlossen sind. Dadurch kann man gleich sehen, ob mit den Klammern noch was im Argen liegt, denn solche Syntax lädt ja gerade dazu ein, mehr Klammern zu öffnen, als man hinterher wieder schließt. Bezüglich Leerzeichen zwischen Klammern ist dieses Programm unempfindlicher als das oben erwähnte qtree.
die Syntax:
[VP [DP [D die][NP [N Schule]]][V verlassen]]

der Syntaxbaum genau so, wie ich ihn von PHP syntax tree bekommen habe. Die Datei ist gänzlich unverändert.
Weitere Ressourcen
Eine interessante Auswahl an Links ist in der englischen Wikipedia zu finden (am Ende des Artikels). PHP syntax tree habe ich dort eben erst gefunden, qtree ist auch erwähnt, aber ich kannte es vorher schon und dann sind noch weitere Programme dort verlinkt, die auf den ersten Blick sehr interessant wirken.

eine etwas ausführlichere Anleitung zu qtree gibt’s jetzt hier:
http://freiesoftware.wordpress.com/2008/10/21/syntaxbaume-unter-latex-mit-qtree/
Von: Dietmar am Oktober 24, 2008
um 12:12